Flämischer stil in Beurnevésin

Flämischer stil in Beurnevésin

Flämischer Stil in St-Jacques Kirche - Bertrand CATTIAUX Werkstatt

Die Orgel in der Beurnevésin-Kirche wurde im Jahre 2019 von Bertrand Cattiaux gebaut. Mit flämischer Ästhetik ist es ein polyphones Instrument, das von Modellen aus dem 17. Jahrhundert inspiriert ist, die insbesondere in der Region Antwerpen anzutreffen sind.

Die Idee einer Orgel flämischer Ästhetik für die Kirche in Beurnevesin, in der es zuvor noch keine Pfeifenorgel gab, hat sich für mich sehr schnell herauskristallisiert. Wenn man den Reichtum an organologischem Kulturgut dieser Region betrachtet und ihn noch bereichern will, ist die Wahl auf diese Stilrichtung, die hier noch nicht vertreten (und auch ausserhalb Flanderns selten ist) völlig gerechtfertigt. Ausserdem hatte ich im Jahre 2008 ein flämisches Instrument für die Kirche in Cossonay (Vaud) rekonstituiert, und diese Orgel mit geringen Ausmassen hat mir den Wunsch geweckt, ein grösseres Instrument zu bauen.

Im Laufe des 17. Jahrhunderts muss man den Ursprung dieser flämischen Orgel suchen, die so eigenartig und so anders als die anderen Orgeln Europas der gleichen Epoche ist. Die hauptsächliche Inspiration ist von den Orgelbauern der Bremserdynastie gekommen ; Jan, dem Vater und seinem Sohn Blasius. Jan hat sich in der ersten Hälfte des 17. Jhdt in Flandern niedergelassen. Er kam ursprünglich aus Deutschland und hat somit sein « germanisches » Gepäck mitgebracht. Blasius hat sein Handwerk beim Vater erlernt und hat seine gesamte berufliche Laufbahn in Flandern verbracht.

Um die Orgel in Beurnevesin herzustellen, haben zwei Orgeln als Quelle gedient : die Orgel in Arschot von Jan Bremser (1646) und die Orgel von Blasius Bremser von 1670 (ursprünglich in einem Kloster in Louvain aufgestellt). Die Mensuren und die Herstellungstechniken der Pfeifen wurden von diesen Orgeln kopiert, die Windladen waren wichtige Modelle.

Die Orgel von Beurnevesin ist keine strikte Kopie, sondern eher eine Anpassung an die Wünsche der Gemeinde von Beurnevesin. Die zwölf Manualregister sind auf dem ersten oder dem zweiten Klavier spielbar, dieser Kunstgriff erlaubt dem Organisten eine grössere Farbauswahl ; des weiteren sind drei Register dem Pedal zugeteilt (welches in flämischen Orgeln nicht existiert) mit dem Ziel das spielbare Repertoire zu erweitern und für die Begleitung der Gläubigen.

Die Qualität der Tonmechanik der Orgel von Beurnevesin (hängende Traktur) erlaubt dem Musiker sich mit einer erstaunlichen Dynamik auszudrücken. Wenige Instrumente geben das Gefühl des direkten Kontaktes zwischen Ansprache des Klanges und der Art und Weise wie die Tasten bewegt werden. Dies erlaubt feinfühlig die klangliche Empfindung zu gestalten.

Die flämische Orgel ist durch einen sehr vokalen und polyphonen Klang charakterisiert, der sich an ein grosses Repertoire anpasst, sei dies aus Nordeuropa, sei es aus Frankreich, Spanien oder sogar Italien. Sein Klang unterscheidet sich von all den anderen Instrumenten aus der Region und beschert den Musikern eine weitere Öffnung.

B. Cattiaux
April 2020

John BULL – Gaillarde, Jean-Luc HO
Peeter CORNET – Courante, Benjamin STEENS