{"id":1782,"date":"2020-11-20T14:33:18","date_gmt":"2020-11-20T13:33:18","guid":{"rendered":"https:\/\/ligneorguesremarquables.com\/?post_type=orgues&#038;p=1782"},"modified":"2024-12-29T16:58:08","modified_gmt":"2024-12-29T15:58:08","slug":"franzoesischer-stil-in-luxeuil-les-bains","status":"publish","type":"orgues","link":"https:\/\/ligneorguesremarquables.com\/de\/die-orgeln\/franzoesischer-stil-in-luxeuil-les-bains\/","title":{"rendered":"Franz\u00f6sischer Stil in Luxeuil-les-Bains"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Ein fl\u00e4mischer Ursprung, ein franz\u00f6sischer Charakter, eine ungl\u00fcckliche Geschichte und eine Rekonstruktion Dank Jean Deloye und Philippe Hartmann \u2013 die historische Orgel der Basilika Saint-Pierre Saint-Paul in Luxeuil-les-Bains wurde gerade eingeweiht nach der j\u00fcngsten Generalrevision ausgef\u00fchrt von Michel Formentelli und Jean Deloye.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Jahre\n1617, unter dem Abbatiat von Antoine de la Baume, wurde das urspr\u00fcngliche\nKonzept der heutigen Orgel erbaut. Obwohl wir den Namen des Orgelbauers nicht\nkennen, verr\u00e4t uns eine Inschrift im Inneren des Positivkranzes, wer das\nGeh\u00e4use konstruiert hat: \u201eIoan Dognadec \/ 1617\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das\nGeh\u00e4use, das zu dieser Zeit realisiert wurde, entspricht dem zentralen Teil des\nheutigen Hauptk\u00f6rpers mit drei T\u00fcrmchen, der mit Fl\u00fcgelt\u00fcren ausgestattet war,\num die Prospektpfeifen zu \u00f6ffnen und zu verschliessen. Laut Claude Aubry hatte\ndas Buffet des Positivs damals die gleichen Ausmasse, aber in einem kleineren\nMa\u00dfstab, mit dem gr\u00f6\u00dften Turm in der Mitte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir wissen\nnichts \u00fcber die urspr\u00fcngliche Disposition der Orgel. Die noch bis 1617\nzur\u00fcckreichenden Pfeifen scheinen von fl\u00e4mischer Machart zu sein, was\nangesichts der engen Beziehungen zwischen der Abtei von Luxeuil und der Abtei\nvon Afflighem in Belgien plausibel scheint. Au\u00dferdem unterstand die Grafschaft\ndamals dem spanischen K\u00f6nigshaus, wie auch Flandern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei der\nRekonstruktion der Klostergeb\u00e4ude wurde die Haupteingangst\u00fcr unter der Orgel\nzugemauert, w\u00e4hrend die beiden aktuellen Seiteneing\u00e4nge im Jahr 1668 durchgebrochen\nwurden. Um die eliminierte T\u00fcr zu verdecken, wurde zwischen 1668 und 1695 unter\ndem Abt Charles-Emmanuel de Bauffremont die gigantische Piedouche erbaut, ein\nSockel, der die Trib\u00fcne zu tragen scheint.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieser\ndekorative Teil, der aufgrund seiner Originalit\u00e4t und seines Reichtums sehr\neindr\u00fccklich ist, besteht aus zwei Teilen : dem Atlas, der auf dem Boden das\nGanze zu ertragen scheint, und darauf montiert das enorm grosse Akanthusblatt,\nwelches aus einem einzigen Baumstamm geschnitzt wurde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zwischen\nseinen geschnitzten Ornamenten kann man verschiedene Musikinstrumente wie\nGeige, Trompete, Cornet, Blockfl\u00f6te\u2026 bewundern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der\nMittelteil ist stark gew\u00f6lbt und mit vier Karyatiden in drei Sektionen unterteilt,\ndie die Trib\u00fcne wie mit m\u00e4chtigen Arme tragen. Jede der drei Sektionen sind mit\neinem fein geschnitzten Medaillon dekoriert. Rechts befindet sich die heilige\nCecile an der Orgel, begleitet von einem Engel, der Geige spielt. In der Mitte\n\u00fcberreicht Christus dem heiligen Petrus die Schl\u00fcssel zum Paradies, w\u00e4hrend der\nheilige Paulus hinter ihm steht . Auf der linken Seite spielt K\u00f6nig David die\nHarfe.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese\nErweiterungsarbeiten von 1695 wurden dem Orgelbauer Philippe Picard und seinen\nS\u00f6hnen Antoine und Joseph anvertraut, um insbesondere die Proportionen des\nGeh\u00e4uses gegen\u00fcber der imposanten Trib\u00fcne wieder ins Gleichgewicht zu bringen.\nAus dieser Zeit stammen die beiden Seitenfl\u00fcgel des gro\u00dfen Hauptwerkes. Laut\nClaude Aubry, der den Aufbau der verschiedenen Epochen vor der Restaurierung\n1980 analysierte, wurde diese Vergr\u00f6\u00dferung in zwei Etappen durchgef\u00fchrt:\nzun\u00e4chst wurde eine Plattform und ein Turm auf jeder Seite konstruiert. Die\nAu\u00dfenseite wurde im Nachhinein hinzugef\u00fcgt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei diesen\nArbeiten entstand auch das Geh\u00e4ue des Positives mit der&nbsp; heutigen Erscheinugsform, mit den beiden\ngro\u00dfen T\u00fcrmen an den Aussenseiten. Die Komposition des Instrumentes scheint\nauch laut Claude Aubry, modifiziert worden zu sein, da ein Teil der Pfeifen aus\ndieser Zeit stammt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bis heute ist\nuns nicht bekannt, welche Arbeiten im 18. Jahrhundert durchgef\u00fchrt wurden. Die\nOrgel hat unter den revolution\u00e4ren St\u00f6rungen gelitten : die Pfeifen des\nPositives wurde gepl\u00fcndert, die Balganlage wurde durch das in der N\u00e4he\ndeponierte Heu besch\u00e4digt, da das Geb\u00e4ude zu dieser Zeit als Futterspeicher\ndiente. Die von Claude Aubry ver\u00f6ffentlichten Dokumente geben Informationen\n\u00fcber den instrumentalen Teil nach der Revolution: Die Klaviatur des Hauptwerks\nging bis zum F 5, die des \u201ePositives\u201c hingegen hatte nur einen Klaviaturumfang\nvon 4 Oktaven und 7 Registern, darunter Cromorne, Fourniture, Nazard, Doublette\nund Tierce.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das\nInstrument wurde 1808 von dem Orgelbauer Jean-Baptiste Gavot instand gesetzt.\nEr erweiterte das Positiv um ein Basson-Hautbois , dessen Klaviaturumfang &nbsp;wie im Hauptwerk bis zum F 5 reichte. Er\nkehrte 1829 zur\u00fcck, um eine Echoklaviatur mit einem Cornet und einer Trompete\nzu installieren. Der Sohn von Jean-Baptiste Gavot f\u00fchrt eine Revision des\nInstruments im Jahr 1835 durch.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Anschlie\u00dfend\nwurden wichtige und umfangreiche Arbeiten von dem Orgelbauer Joseph Callinet\ndurchgef\u00fchrt. Die Archive des Conseil de Fabrique konservieren einen\nKostenvoranschlag vom 20. Oktober 1840, wobei am 6. Januar und 3. Juni 1841\nzwei zus\u00e4tzliche Arbeiten durchgef\u00fchrt wurden, wof\u00fcr er den Betrag von 4000\nFrancs erhielt. Die Orgelabnahme fand am 23. Juli 1841 statt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Leider\nwurde keiner dieser Kostenvoranschl\u00e4ge im Archiv gefunden und so bleibt der\ngenaue &nbsp;Betrag dieser Arbeiten unbekannt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Orgelgeh\u00e4use\nwurde 1846 zum Monument Historique erkl\u00e4rt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit einem\nGeschenk Napoleons III. f\u00fcr die Restaurierung der Abtei wurde auch die Orgel in\nden 1860er Jahren erneut Gegenstand von Arbeiten, die nach Claude Aubry, Claude-Ignace\nCallinet zugeschrieben wird. In diesem Moment wird die Mauer erbaut, die die\naktuelle Trib\u00fcne tr\u00e4gt und die auf einfache Art direkt an der Wand befestigt\nist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Jahre\n1903 wurden von der Firma Didier in \u00c9pinal Reinigungsarbeiten und eine\nGeneralstimmung durchgef\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00e4hrend\ndes Ersten Weltkriegs wurde Jules Bossier mit dem Wiederaufbau des Instrumentes\nbetraut. Diese Arbeiten wurden leider in einem unprofesionellen Bastelstil\ndurchgef\u00fchrt, mit einem katastrophalen Ergebnis. : die grosse R\u00fcckseite des Geh\u00e4uses\nwird zerst\u00f6rt , das Positiv verliert alle seine Pfeifen und bleibt bis auf die\nProspektpfeifen reduziert, die mechanische Konsole wird durch eine separate\npneumatische Konsole ersetzt. An der Au\u00dfenseite des Geh\u00e4uses werden stumme bemalte\nPfeifen&nbsp; plaziert. Das Manuel des R\u00e9cit\nund das neue Positiv \u00fcberlagern sich zu sichtbar auf der linken R\u00fcckseite des\nGeh\u00e4uses, wie man auf den Photos aus dieser Zeit sehen kann, ebenso die gro\u00dfen\n16-Fu\u00df Pfeifen, die aus dem&nbsp; Geh\u00e4use\nherausragen. Die Einweihung dieser Arbeiten fand am Sonntag des Jahres 1917\nstatt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Da die\nFunktion des Instrumentes schnell unbrauchbar wurde, werden die Reparaturen\n1949 dem Orgelbauer Louis Georgel anvertraut, der das Balgsystem rekonstruiert\nund das R\u00e9cit in den Unterbau des Hauptwerkes herabsetzt. Um Platz f\u00fcr den Chor\nauf der Trib\u00fcne zu schaffen, wird die Basis der Fl\u00fcgelt\u00fcren des Hauptwerkes\nabgeschnitten und auch die geschnitzten&nbsp;\nKanten entfernt. Trotz dieser neuen Arbeiten, wurde die Orgel schnell\nunbespielbar.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit dem\nBestreben, die Verst\u00fcmmelung dieses Instruments zu korrigieren, startet die\nGemeinde mit Unterst\u00fctzung des Organisten Michel Chapuis Anfang der 1970er\nJahre ein Restaurierungsprojekt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der\nInstrumentalteil wurde am 19. Mai 1972 als Monument Historique eingestuft. Am\n9. August desselben Jahres erarbeitet Claude Aubry, Beratungstechniker f\u00fcr das\nKultusministerium, ein Restaurationsprojekt. Aufbauend auf der alten\nDisposition des existierenden Pfeifenwerkes, den Geh\u00e4usen, und in Anlehnung an\ndie Konstruktionsweise der Orgel von Callinet, schl\u00e4gt er ein Konzept einer\nklassischen franz\u00f6sischen Orgel vor, jedoch mit Erg\u00e4nzungen, die die Ausf\u00fchrung\ndes europ\u00e4ischen Barockrepertoires auf der Grundlage von f\u00fcnf Klangk\u00f6rpern\nerm\u00f6glicht, &nbsp;eine sogenannte\n\u201eRaisonnance\u201c (sic), die von der Isnard-Orgel von Saint-Maximin (Var)\ninspiriert ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese\nArbeiten werden dem Orgelbauer Jean Deloye anvertraut, in Kolaboration mit\nPhilippe Hartmann, der f\u00fcr die Intonation verantwortlich ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das\ngesamte Geh\u00e4use wird restauriert, mit einem gro\u00dfen Teil der Rekonstruktion der hinteren\nund seitlichen Teile , die verst\u00fcmmelt waren. Alle Windladen mit ihrer\naufgeh\u00e4ngten Mechanik, werden ebenfalls neu erbaut. Die Verwendung moderner\nMaterialien wie Metallteile der Mechanik im industriellen Sinn, werden zu\nGunsten einer Rekonstruktion im alten Sinn und nach allen Regeln der\nhandwerklichen Fertigung mit Holz und Schmiedeeisen gearbeitet. Eine\nau\u00dfergew\u00f6hnliche Entscheidung f\u00fcr die damalige Zeit. Die Balganlage wird aus\nwirtschaftlichen Gr\u00fcnden nicht mit den originalen Keilb\u00e4lgen ersetzt, sondern\naus den bestehenden Teilen,&nbsp; mit\nparalelen Falten, rekonstruiert. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Von 2018\nbis 2020 vertraut die Stadt mit staatlicher Unterst\u00fctzung dem Orgelbauer Michel\nFormentelli in Zusammenarbeit mit Jean Deloye eine vollst\u00e4ndige Revision des\nInstruments an (Demontage und Entstaubung aller Pfeifen, Revision der Windladen\nund der Mechanik). Dieses Projekt umfasst auch die Installation von vier neuen\nKeilb\u00e4lgen, die eine bessere Windverteilung erm\u00f6glichen. Auch die Mechanik wird\nerheblich verbessert. Michel Formentelli sorgt f\u00fcr die R\u00fcckf\u00fchrung zum alten\nKlang unter strikter Ber\u00fccksichtigung der Arbeitsweise von Philippe Hartmann\nund nimmt die Generalstimmung vor.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Claude Aubry und Eric Brottier, Beratungstechniker f\u00fcr das Kultusministerium<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Dokumentarische Quellen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Handgeschriebene Quellen&nbsp;:<br> Projekt der Rekonstruktion der Orgel und Ausf\u00fchrungvorgaben f\u00fcr die Realisierung&nbsp; von Claude Aubry, von dem 9 ao\u00fbt 1972 <br><\/li><li>Gedruckte Quellen :<br>AUBRY Claude, <em>Luxeuil les Bains, Le Grand-Orgue, 360 Seiten der Geschichte ohne Daten<\/em>, ver\u00f6ffentlicht von Jean Deloye zur Dokumentation der Rekonstruktionarbeiten<br><br>Projekt der Rekonstruktion der Orgel und Ausf\u00fchrungvorgaben f\u00fcr die Realisierung&nbsp; von Claude Aubry, von dem 9. ao\u00fbt 1972  &nbsp; <\/li><\/ol>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Anonyme, 1617<br>Philippe Picard, 1695<br>Jean-Baptiste Gavot, 1808 u 1829<br>Joseph Callinet, 1841<br>Claude-Ignace Callinet, vers 1860<br>Jean Deloye u Philippe Hartmann, 1980 (Rekonstruktion)<br>Revision ausgef\u00fchrt von Jean Deloye u Michel Formentelli, 2020<\/strong><br><br><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">videos<\/h3>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized is-style-default\"><a href=\"https:\/\/youtu.be\/7XcGuoNjD6c\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ligneorguesremarquables.com\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/vignette-vid\u00e9o-YT_-1-1024x545.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-2470\" width=\"199\" height=\"105\" srcset=\"https:\/\/ligneorguesremarquables.com\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/vignette-vid\u00e9o-YT_-1-1024x545.png 1024w, 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